Podenco Ibicenco vom Bach
Eine grosse Liebe: der Podenco Ibicenco
Der Podenco Ibicenco
entweder er gefällt dir oder eben nicht. Ich jedenfalls bin ihm gnadenlos verfallen und damit meine ich nicht in erster Linie sein Aussehen, sondern eher seine Art... er ist so ganz anders als die Hunde, die ich bis dahin kannte. Eigenwillig, selbständig, listig und schlau, robust, ursprünglich, zärtlich, überaus beweglich, jagdpassioniert, Katzenhaft... lustig und oft ein Clown!
Herkunft und Geschichte
Er ist wohl der bekannteste von allen Podencotypen
Sein Ursprungsgebiet sind die zu Spanien gehörenden Balearen. Von der Insel Ibiza hat er seinen Namen, man findet ihn jedoch heute auf allen Inseln der Balearen sowie auf dem spanischen Festland, vorallem in Katalonien. Eine bislang unbewiesene Theorie lautet, dass die Phönizier für die Verbreitung dieses Hundetyps über das ganze Mittelmeer gesorgt haben sollen. Auch denkbar wäre, dass die Podencos, ebenso wie der Pharaonenhund und der Cirneco dell' Etna sich aus mediterranen Pariahunden entwickelt haben und ihr Erscheinungsbild weniger einem gemeinsamen Vorfahren, als vielmehr den spezifischen Anforderungen ihrer jeweiligen Heimatregionen verdanken. Davon gehe ich persönlich stark aus.
1929 kam der Podenco Ibicenco nach England, wo er heute noch gezüchtet wird. Auf dem Kontinent ( auch in der Schweiz) wurde er zeitweise fälschlich als Pharaonenhund bezeichnet, ein Begriff, der erstmalig 1906 von dem Schweizer Dr. Carl von Muralt aus Zürich in einem Artikel in einer Schweizer Jagdzeitschrift über die Jagd auf den Balearen verwendet wurde. Ab 1906 wurden die in der Schweiz lebhaften Ibicencos dokumentiert. 1963 verabschiedete die FCI einen Rassestandard, der wesentlich am Modell des Podenco Ibicenco orientiert war, der es aber ermöglichte, alle stehohrigen, windhundähnlichen Hunde aus dem Mittelmeerraum als Pharaonenhunde zu registrieren. Da aber bereits seit 1931 ein von Spanien bei der FCI eingereichter Rassestandard für den Podenco Ibicenco bestand, gab es de facto zwei Rassestandards für dieselbe Rasse. 1977 hob die FCI diesen Standard wieder auf und ordnete den Namen Pharaonenhund ,dem aus Malta stammenden Kelb tan Fenek zu.
Podencos sind sehr anpassungsfähige Hunde, sei es bei der Anpassung an das Klima oder an Haltungs - und Lebensbedingungen.
Weitere Podencorassen : Podenco Canario, Kanarische Inseln
Podenco Andaluz, Andalusien
Podenco Andaluz maneto, Andalusien
Podenco Portuges, Portugal 3 versch. Grössen
Podenco Orito Español
Podenco Enano del Hierro, Kanaren
Podenco Malagueño, Malaga
Podengo Galego, Galizien
Quellen: Eigene Recherchen und Erfahrungen,Commons Podenco Ibicenco, Wikipedia, Antonio Pedro: Races Pitiusas native
Podenco Ibicenco
Standart
Der Podenco Ibicenco hat einen Langen und schmalen Kopf, scharf und kegelförmig, mit einem sehr ausgeprägten Stop. Die Ohren sollten gerade, nach vorne und sehr mobil sein. Die schrägen Augen sind klein, klar und Bernsteinfarben.
Die Nase ist fleischfarben. Die Fellfarbe ist Braun und Weiss gemischt, oder Uni, was jedoch immer seltener zu finden ist. Typisch ist die weisse Schwanzspitze.
das Gewicht liegt zwischen 18 und 24 Kg, je nachdem ob es sich um ein Männchen oder Weibchen handelt und ob zu gut oder zu schlecht ernährt wurde.
Im Hinblick auf die Grösse des Hundes gibt es viele Kontroversen. Auf den Pityusen ( Ibiza und Formentera ) sind die Hunde kleiner als z.B auf Mallorca, Menorca und dem Festland, da es dort wirklich nur um Funktionalität auf der Jagd geht und nicht in erster Linie um Schönheit. Im aktuellen Standard werden zwischen 66 und 72cm angegeben, Tendenz steigend was schade ist, denn für sie Jagd könnte ein "zu Gross" auch hinderlich werden.
Im Standard von 1930 ist die Grösse der Rüden mit 60 - 66cm angegeben, bei der Hündin mit 57 - 63cm.
FCI Nr. 89
Gruppe 5 Spitze und Hunde vom Urtyp
Sektion 7 Urtyp, Hunde zur jagdlichen Verwendung
ohne Arbeitsprüfung
Alternative Namen :
Ca Eivissenc, Mallorqui, Xarnelo, Mayorquais, Charnegue, Charnegui, Balearen-Hund, Ibizan Hound
Varietäten :
Glatthaar, Rauhaar und Langhaar
Verwendung
Der Podenco Ibicenco wird zur Jagd, vorallem auf Wildkaninchen, ohne Schusswaffe verwendet. Da es in Teilen Spaniens oft zu einer Überpopulation von Wildkaninchen kommt, ist dies dort auch notwendig.
Bei der Jagd benutzt er vor allen anderen Sinnen seine dünnwandige Nase, aber auch Augen und Ohren. Er wird sowohl Tagsüber wie auch Nachts zur Jagd eingesetzt. Gejagt wird in Meuten, meist ein Rüde und mehrere Hündinnen. Mit bis zu 2m hohen und 4m weiten Sprüngen orientieren sich Podencos im buschigen Gelände. Ohne weiteres können sie sich mitten im Sprung um 180 Grad drehen, faszinierend zum zuschauen! Sie beherrschen jede Sequenz der Jagd. Hat ein Hund das Kaninchen aufgespürt, wedelt er eifrig mit dem Schwanz, sodass die anderen Hunde schnell herbei eilen und die Beute "umzingeln" ein Hund packt sie dann und bringt das Kaninchen meist unversehrt dem Jäger, da Podencos mit weichem Maul apportieren ( span. boca blanda, fangen ohne zu beissen). Als es früher noch keine Lagerungsmöglichkeiten gab (Kühlschrank/Gefrierschrank) wurden die Kaninchen solange in Gehegen gehalten, bis man sie zum essen brauchte und erst dann wurden sie getötet.
Oft wird erzählt, Spanier und vorallem Jäger seien sehr schlecht zu ihren Hunden und würden sie nichts mehr taugen, entsorge man sie auf grausamste Weise. Sicherlich gibt es solche Menschen, aber es wäre unfair zu behaupten, alle seien so, denn es gibt auch die, die ihre Hunde leidenschaftlich hegen und pflegen und genau wissen, dass sie nichts wären ohne die wertvolle Arbeit ihrer Hunde.
Als ich einen spanischen Jäger fragte, warum seine Hunde immer zurückkommen bei der Jagd, erklärte er mir, dass jedes Rudel einen lider de la maneda hat, also einen Hund, der die Meute anführt. An ihm orientiert sich das ganze Rudel. Man müsse als Jäger eine innige Freundschaft zu diesem pflegen, damit sich der Meuteführer am Menschen orientiert. Fazit, Meuteführer orientiert sich am Jäger, Meute am Meuteführer, so bleiben immer alle schön zusammen.
Auch sei es wichtig die Hunde immer freundlich und liebevoll zu rufen und sie respektvoll zu behandeln.
Interessant ist, dass es Podencos gibt, die nach einigen 1000 Kaninchen wortwörtlich die Schnauze voll haben und sich eine längere Pause, Auszeit nehmen. Sie haben die Kaninchen satt. Die Spanier nennen es : enconnillarse.
Nach dieser Auszeit jagen sie wieder mit der selben Leidenschaft wie davor, als wäre nichts geschehen
Erziehung (gilt für alle Podenco Arten)
Die Erziehung eines Podencos ist nicht einfach. Da er sehr unabhängig ist, er jagt ja auch ohne Führung bis zu dem Punkt, dass er die Beute dem Jäger bringt, wird er zu unrecht oft als stur und dumm bezeichnet. Das Gegenteil ist der Fall, er ist sehr intelligent und schlau. Das muss und musste er auch sein, denn nur so war das Überleben dieser Rasse, über Jahrhunderte auch ohne den Menschen gewährleistet. Stetige Wiederholungen in der Signalgebung die für ihn keinen Sinn ergeben, findet er zurecht langweilig. Man muss einige Dinge bedenken, wie z.B. der Jagdinstinkt der doch sehr ausgeprägt ist, denn zum jagen wurde er gezüchtet. Es gibt Podencos bei denen er so sehr ausgeprägt ist, dass Freilauf nur in eingezäuntem Gelände stattfinden kann.
Man sollte sich überlegen, ob man die Möglichkeit hat, Alternativen zur Jagd anzubieten, wie apportieren, Reizangel, Sucharbeit...
Oft höre ich das Argument, dies würde den Jagdinstinkt doch noch verstärken. Das kann ich aber aus eigener Erfahrung nicht bestätigen.
Es gibt auch solche, bei denen der Freilauf, nachdem er erzogen ist und dies braucht Zeit und Geduld, sehr wohl möglich ist.
Mit schreien, Kasernenhofton und Grobheiten bei der Erziehung, kommt man beim Podenco nirgendwo hin. (gilt meines Erachtens für alle Hunde) eher hört er auf ruhige, sanfte und klare Signale. Trotzdem muss er nicht verhätschelt werden und ein strenges NEIN für eine nicht eingehaltene Regel, am besten schon im Ansatz, schadet keinem Hund. Ich bevorzuge NO als Abbruchsignal, da NEIN und FEIN zu ähnlich klingt und zu Missverständnissen führen kann, wenn man keine klare Körpersprache spricht. Hunde brauchen Regeln um sich wohlzufühlen, um zu Wissen wo ihr Platz ist.
Man muss konsequent sein und gute Führungsqualitäten mitbringen wie: Vorausschauend sein, für Sicherheit sorgen, sich selbst mit der Aussenwelt beschäftigen, denn das zeigt dem Hund, dass man selbst nicht blind durch die Gegend läuft und das man die Verantwortung für das Mensch-Podencorudel tragen kann.
Man sollte bemüht sein, den Hund und sein Verhalten zu verstehen. Anfangs ist es wichtig, dem Hund nicht gerade die ganze Welt zeigen zu wollen, sondern in kleinen Schritten das Umfeld zu erweitern, das bedeutet, klappt etwas im Haus, versucht man es im Garten oder auf der nächsten Grünfläche, klappt es dort, geht man einen Schritt weiter. Ich empfehle eine 5m Schleppleine, die man nach und nach, wenn dies möglich ist, abbaut indem man sie immer öfter fallen und mitschleppen lässt und dann wieder aufnimmt, so kann man immer eingreifen ohne böse zu werden wenn etwas nicht klappt, ohne Hektik und Geschrei. Man beweist Souveränität. Hört der Podenco zuverlässig auf die Wort und/oder Sichtsignale und achtet er auf uns ( das kann viele Monate/Jahre dauern!), kann man die Schleppleine jede Woche um 10cm mit der Schere verkürzen.
Ein Podenco sollte gut ausgelastet werden, auch mit Kopfarbeit. Ich bin nicht der Meinung, dass er mehr Bewegung braucht als andere Hunde oder dass er in einer Wohnung unglücklich wäre, wenn alle Punkte berücksichtigt werden.
Drinnen ist der Podenco sehr ruhig, manchmal muss man ihn deswegen sogar suchen. An Katzen und andere Haustiere kann er gut gewöhnt werden und geht oft innige Freundschaften mit diesen ein.
Corinne Flückiger, September 2010
WIE KOMMT MAN ZU EINEM PODENCO IBICENCO ( gilt für alle Podenco Arten)
Wie schon erwähnt, gibt es ausserhalb Spaniens nur vereinzelt Züchter. Diese findet man im Internet. Entscheidet man sich für eine Zucht aus Spanien, muss man wissen, dass es oft Unterschiede zur Zucht bei uns in der Schweiz gibt. Z.B leben Hunde dort eher draussen in Zwingern als im Haus, was nicht zwingend heissen muss, das es ihnen dort schlecht geht. Man muss es sich selbst vor Ort anschauen und sich ein Bild machen, auf sein Bauchgefühl achten und dann entscheiden. Haben sie genug Wasser, Nahrung? Ist die Isolation gut in der kalten Jahreszeit? Sind sie gesund und zufrieden? Haben die Hunde genügend Kontakt zu Menschen, werden sie beschäftigt? Auch in der Schweiz/Deutschland, werden Jagd oder Gebrauchshunde des öfteren ausserhalb des Hauses / Wohnung gezüchtet.
Auch kann man Perreras, wo Jäger jagduntaugliche oder ausgediente Hunde abgeben einen Podenco Ibicenco oder einen Mischling erwerben.
Es gibt Tierschutzorganisationen, die sich um solche Hunde kümmern und sie, auch übers Internet in die Schweiz und andere europäische Länder Vermitteln. Will man sich auf dieses ungewisse Abenteuer einlassen?
Informieren sie sich immer vorerst über die Besonderheiten dieser Rasse, darüber wozu diese Hunde gezüchtet wurden und ob so ein Hund in ihre Lebenssituation passt.
Meine eigenen Gedanken zu Zucht und Tierschutz
Tierschutz in vernünftigem Rahmen, vor allem vor Ort, ist genauso wichtig, wie die wertvolle züchterische Arbeit zur gesunden Erhaltung einer Rasse!
Beides muss Platz haben und jeder sollte frei entscheiden dürfen, ohne von einer Seite angefeindet zu werden, von wo er seinen Hund haben möchte, denn jeder hat bestimmt seine Gründe dafür.
Es gibt genauso viele schwarze Schafe im Tierschutz wie in der Zucht und genauso viele gute Tierschützer wie Züchter. Jeder Hund, ob reinrassig oder Mischling, hat das Recht auf ein artgerechtes
Leben und wir als Halter tragen die Verantwortung dafür, genauso wie Eltern für ihre Kinder, mit dem Unterschied, dass man den Hund als Hundekind sehen muss und ihn keinesfalls vermenschlichen
sollte!
Podenco Ibicenco Del Riachuelo
